Trauerinfos - Chatroom doch-etwas-bleibt.de

WAS IST TRAUER?

Trauer ist keine Krankheit, Trauer ist eine universelle menschliche Reaktion, ein emotionaler Zustand, ein Verhalten des Menschen zum Umgang mit dem Verlust durch Trennungen oder den Tod eines nahe stehenden Menschen. Trauern bezeichnet die Reaktion des Menschen bei Belastungen durch Krankheit, Sterben und Verlust. Sie kann sich auf viele verschiedene Arten ausdrücken, zum Beispiel durch mangelnde Lebensfreude, Rückzug, Traurigkeit, sich einsam fühlen, Existenzängste etc.

Wofür ist Trauer gut?

Trauer soll Dir helfen, mit Deinen seelischen Schmerzen durch den Verlust eines geliebten Menschen zu leben und in eine Zukunft ohne den Verstorbenen zu gehen.

Was ist richtiges, was ist falsches Trauern?

Beim Trauern gibt es kein richtig und kein falsch. Jede*r von uns trauert anders, auf eine ganz eigene Art und Weise. Was Dir gut tut, ist für Dich „richtig“.

Wie lange dauert Trauer?

Auch hier gibt es keine festen Regeln. Die Intensität und Dauer von Trauerprozessen ist bei jedem Menschen verschieden. Sie hängen zum Beispiel vom emotionalen Zustand des Hinterbliebenen, von der Beziehung zum Verstorbenen und von den Umständen des Todes ab. Manchmal spürt man Jahre nach dem Tod eines geliebten Menschen noch große Trauer, manchmal wird es nach dem ersten „Trauerjahr“ bereits etwas leichter. Trauer verändert sich im Laufe der Jahre und sollte nach einiger Zeit nicht mehr alles überschatten, Du solltest irgendwann steuern können, wann Du trauern kannst und willst.

Ab wann wird Trauer ungesund?

Trauer kann dann ungesund werden, wenn Du nicht zum „normalen“ Leben zurückfinden kannst. Wenn Du keinen Lebensmut mehr hast, die Trauer als endlos und schmerzvoll empfindest und Dich selbst und Deine Mitmenschen vernachlässigst. Wenn Du das Gefühl hast, dass Deine Trauer auch nach längerer Zeit noch einen sehr großen Platz in Deinem Leben einnimmt, solltest Du einen Arzt oder eine Beratungsstelle (gerne auch uns!) kontaktieren, die können Dir weiter helfen.

Gehört weinen zum Trauern dazu?

Jeder Mensch trauert anders. Weinen kann dabei eine Möglichkeit sein, Deinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Anderen hingegen helfen Gespräche, Musik, Schreiben, Sport, Schweigen etc.

Wie kann ich meine Trauer überwinden?

Trauer ist weder heilbar, noch lösbar. Trauer muss durchlebt werden wie andere Übergangsprozesse auch, zum Beispiel wie eine Schwangerschaft und die anschließende Geburt oder eine Pubertät. Mit Deiner Trauer kannst Du auf verschiedene Arten umgehen: durch Verarbeitung oder durch Verdrängung. So kannst Du zum Beispiel versuchen, Dich von Deinen Gefühlen abzulenken. Durch Sport, viel Arbeit, Deine Freunde etc. Dies kann zumindest kurzfristig Deine Situation erleichtern. Verdrängung kann eine zeitlang sehr wichtig, sogar überlebenswichtig sein. Wirklich überwinden kannst Du so Deine Trauer kaum. Erst wenn Du Dich intensiv mit dem Verlust und Deiner Trauer auseinandersetzt, kann Du irgendwann auch wieder anderen Lebensgefühlen Raum geben und Deine Trauer wird tatsächlich weniger Plätz einnehmen. Auch wenn das vielleicht gerade schwer vorstellbar ist.

Was hilft uns, die Trauer zu durchleben?

Der Trauerforscher William Worden spricht von vier Aufgaben innerhalb eines Trauerprozesses. Sie müssen gelöst werden, damit wir wieder in ein "normales" Leben zurück finden können.


1. Aufgabe: Die Wirklichkeit des Todes und des Verlusts begreifen
Es ist eine langwierige und schwere Aufgabe, den Tod als wirklich und endgültig zu begreifen. Wir wissen nicht wo der geliebte Mensch hingegangen ist und wir können uns nicht vorstellen, dass er nie wieder bei uns sein wird. Zwei Dinge helfen dabei: Zum einen das direkte "Be-greifen" und Sehen, wenn das möglich war, und das Darübersprechen mit Freunden, Verwandten, vielleicht aber auch mit professionellen Helfern wie Trauerbegleitern, Psychologen etc.
 
2. Aufgabe: Die Vielfalt der Gefühle durchleben
Die Aufgabe des Trauerns liegt darin, sich im Lauf eines Trauerweges Stück für Stück die vielen unterschiedlichen Gefühle zuzugestehen, auch wenn es zu Beginn unmöglich und unpassend erscheint, jemals wieder etwas anderes als Schmerz und Verzweiflung zu empfinden. Die Umgebung möchte oft, dass die trauernden Menschen möglichst schnell wieder "normal" sind. Sie kann schlecht mit Gefühlen wie Verzweiflung, Niedergeschlagenheit oder Wut umgehen und macht es sehr schwer, all das was Du fühlst und was in Dir steckt raus zu lassen. Am besten verstehen das meist Menschen, die es selbst schon mal erlebt haben.
 
3. Aufgabe: Veränderungen in der Umwelt wahrnehmen und gestalten
Du musst erst einmal herausfinden, was der verstorbene Mensch für Dich bedeutet hat und wo er Dir überall fehlt. Nach dem Tod eines nahen Menschen verändert sich aber nicht nur die eigene Welt. Es verändert sich auch das Verhalten der Freunde, Nachbarn und Familienmitglieder. Viele Menschen reagieren hilflos und sagen lieber nichts, aus Angst sie könnten etwas Falsches sagen. Mehr kann sich die Umwelt in kürzester Zeit kaum verändern. Verzweifle nicht sondern halte Dich an Menschen, die unterstützend, geduldig und liebevoll reagieren.
 
4. Aufgabe: Der oder dem Toten einen neuen Platz zuweisen
In der ersten Zeit wird der tote Mensch ganz viel von Deinen Gedanken beanspruchen und viel Platz in Deinen Alltag einnehmen. Im Lauf der Zeit wirst Du wieder freier für neue Begegnungen, Bindungen und Erlebnisse. Das ist gut und muss so sein. Es bedeutet nicht, dass Du den Menschen vergisst oder weniger liebst. Er bekommt nur einen Platz in Deinem Leben, wo er sein kann und Du an ihn denken kannst, ohne dass es Dich immer traurig macht. Ein solcher Platz ist an einer bestimmten Stelle Deines Herzens. Der neue Platz findet sich auch in Deinem Umgang mit Erinnerungsstücken, zum Beispiel ob und wo Du ein Foto aufstellst und was Dir das Grab bedeutet.